Die Synode von Homberg zum 2. Mal in der Stadtkirche

Ein Erlebnis besonderer Art bot sich den Besuchern des anhang1
Schauspiels „Die Synode von Homberg“ am letzten Sonntag in der Homberger Reformationskirche. Almuth Karger, Autorin des Stückes rund um Macht, Glauben und Erneuerung, hat dabei ihre Recherchen zu den tatsächlichen Geschehnissen in der Lutherzeit gekonnt in Worte gefasst und in Szene gesetzt. So entstand ein großartiges Stück, das von den Schauspielern der Kleinen Bühne Schwalm-Eder unter Beteiligung der evangelischen Kirchengemeinde, der Bürgerschaft und Institutionen der Stadt Homberg auf die Bühne gebracht wurde.

Eine Unterrichtsstunde, die sie nie vergessen sollten

Die schwierige Aufgabe, den doch eher trockenen Inhalt der Synode interessant zu gestalten und dem Zuschauer nahezubringen, löste die Autorin, die auch gleichzeitig Regie führte, mit dem Trick des mehrfachen Wechsels von heutiger Zeit zur damaligen und präsentierte dem Publikum gleichsam shakespearehaft ein Stück im Stück. Verwoben wurden die beiden Ebenen durch die schillernden Figuren des Charis und des Lucius, Vertreter des Himmels und der Hölle, brillant gespielt von Armin Jordt und Felix Eberwein. So erteilten sie den Schülerinnen Thea und Chris (überzeugend dargestellt von Franziska Arnold und Stella Ziegler), die mit ihrer Klasse in der Kirche das Thema Reformation und die Wichtigkeit der damaligen Errungenschaften veranschaulicht bekommen sollten, eine Unterrichtsstunde, die sie nie vergessen sollten, und ließen sie als Beobachter am Leben im 16. Jahrhundert teilnehmen. Charis und Lucius moderierten, stritten, kommentierten, nahmen spöttelnd Einfluss auf Figuren und ließen die Zeit stehenbleiben, ganz nach Laune und Schmunzeln inbegriffen.
Der historische Teil des Stückes war ein Leckerbissen für Auge und Ohr: Hineingeleitet von mächtigen Orgelklängen (gespielt von Bezirkskantorin Birgit Käfer), marschierte Philipp der Großmütige, Landgraf von Hessen (Markus Fischer), mit Gefolge ein, um die Religionsgespräche zu beginnen und zu entscheiden, ob der protestantische Glaube in der Landgrafschaft einzuführen sei. Stimmungsvoll untermalt wurde sein beeindruckendes Auftreten vom Chor (Die Knurrhähne, Leitung Gerrit Momberg), der ihm mit festlichen Chorälen huldigte und später auch, ebenso wie die Orgel, beim Ausmarsch begleitete.
Die Requisiten waren bewusst nüchtern gehalten; das Wort allein war zu wichtig, die Kirchenkulisse gewaltig genug, und so hörte man gespannt dem Disput um die Paradoxa zu.

Alles andere als trist
Und der war alles andere als trist; wenn sich der biedere Adam Kraft (Reinhard Ganß) mit dem aufbrausenden Franziskanermönch Nicolaus Ferber (Michael Dippel) Wortgefechte lieferte, Kanzler Johann Feige (Ralph-Peter Stiefel) vermittelnd zur Mäßigung aufrief , fühlte man sich direkt an den Ort des Geschehens hineinversetzt. Spätestens bei Philips Abschlussrede und dem Gebet des Pfarrers ( Pfarrer Friedrich Heidelbach) war dann die Illusion perfekt. Die Schauspieler, allesamt Amateure, verschmolzen mit ihren Rollen und waren so textsicher, dass Souffleuse Elke Meckbach wenig zu tun hatte. Die prächtigen Kostüme taten noch das Ihrige, um die Wirkung zu verstärken. Bei vollbesetzter Kirche, deren Akustik durch Tontechniker Roman Fröde und Bühnenbauer Jens Boland erheblich verbessert wurde, kam wirklich jedermann auf seine Kosten. Brandender Applaus belohnte alle Akteure und so mancher wird sicherlich bei der zweiten Auflage des Stückes am 25. November noch einmal dabei sein wollen. Almuth Karger

Die Homberger Synode – Ein Spiel um Macht, Glauben und Erneuerung.
25.11.2017, in der Reformationskirche St. Marien, am Kirchplatz
Beginn 19.00 Uhr. Dedr Eintritt ist frei. Spenden werden erbeten.

Foto: Kleine Bühne Schwalm-Eder