Geschichte der Reformation

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„Ohne die Reformation in Homberg gäbe es wohl keine Universität in Marburg, keinen Landeswohlfahrtsverband in Hessen, keine Bildung für alle, keine Krankenhäuser und keine soziale Daseinsfürsorge“. In der Konsequenz und im Ergebnis stimmt dies wohl. Das, was 1526 in der Homberger Stadtkirche geschah, hatte nun einmal direkte Auswirkungen auf das soziale und gesellschaftliche Leben in Hessen und in Westeuropa. Bis in die Kunstgeschichte, in den Arbeits- und Familienethos und bis in die Bildungs-, Sozial-, Versorgungs- und Integrationsarbeit hinein sind die Grundentscheidungen und das reformatorische Selbstverständnis der damaligen Zeit noch heute zu spüren und zu erfahren. „Und genau das wollen wir unseren Konfirmanden, Bürgern und Gästen vermitteln.

Wir möchten allen die innere Triebfeder der Reformation aufzeigen und das, was wir auch heute noch davon erhalten, behalten und praktizieren können“, erklärt Bürgermeister Dr. Nico Ritz. Das erreiche man, so der Bürgermeister, am besten mit einem zentral gelegenen Gebäude als „Haus der Reformation“.

Es soll als außerschulischer Lernort genutzt werden. „Wir möchten das natürlich nicht alleine realisieren. Dazu gehören neben dem Förderverein Haus der Reformation natürlich alle geschichtstragenden Homberger Vereine und der Förderkreis Hans Staden, wie auch die THS und vor allem die Evangelische und sogar die katholische Kirche und alle interessierten Bürgerinnen und Bürger.“

Mit dem verliehenen Titel „Reformationsstadt“ durch den Hessischen Innenminister Peter Beuth stehe die Stadt nun in der Verpflichtung, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen, damit man im Jubiläumsjahr 2017 am Ende der Lutherdekade zusammen mit den schon etablierten Reformationsstädten Wittenberg und Eisenach an exponierter Stelle für die Stadt Homberg werben könne, so Dr. Ritz. Das gebe neue Impulse für den heimischen Tourismus, für Gastronomie, Hotelerie und Gewerbe. „Deshalb ist dieses Haus der Reformation für Homberg so wichtig“, betont Dr. Nico Ritz.

Auf dem Weg zu diesem Haus stehen jedoch erst einmal interessante Veranstaltungen, die 2017 die (Homberger) Reformation allen Interessierten näher bringen sollen (siehe in dieser Broschüre).

Was war auf der Homberger Synode 1526 passiert?

Landgraf Philipp gründete die protestantische Landeskirche in Hessen. Die Wendepunkte für die Glaubenspraxis der hessischen Bevölkerung gegenüber dem Reich brachte der Reichstag in Speyer 1526. Er beschloss, angesichts der Türkengefahr, die Religionsfrage bis zu einem Konzil zu vertagen. Bis dahin soll es jedem Fürsten erlaubt sein, nach seinem Gewissen zu handeln. Philipp der Großmütige ergriff diese Chance. Er rief vom 21. bis 23. Oktober 1526 in Homberg eine Landessynode ein. Die Versammlung gilt als der Gründungstag der hessischen Landeskirche. Das Reformationsfenster der Homberger Stadtkirche zeigt noch heute die vier Reformatoren: Luther, Melanchthon, Zwingli und Calvin. Während der Synode stellte der südfranzösische Franziskanermönch Franz Lambert von Avignon Thesen zur Durchführung der Reformation in Hessen vor. Da er die deutsche Sprache nicht beherrschte, trug Adam Krafft den geladenen Ständen das neue  Kirchenprogramm vor.

Die Stände setzten sich aus der katholischen Geistlichkeit, dem Klerus, sowie aus der Ritterschaft und Vertretern der Städte zusammen. Die Anwesenden stimmten seinen Ausführungen mit Ausnahme zweier Kritiker zu. Genannt wurde die Schrift zusammenfassend „Reformatio Ecclesiarum Hassiae“ (Reformation der Kirche Hessens). Die Beschlüsse gingen im Anschluss an die Synode in diese „Homberger Kirchenordnung“ ein. Diese sah einen Kirchenaufbau auf der Grundlage selbstständiger Gemeinden vor. Das Werk orientierte sich an den Vorstellungen der Schweizer und Oberdeutschen Reformatoren. Der vom Landgrafen um Begutachtung gebetene Martin Luther hielt sich im Zusammenhang mit dem Entwurf bedeckt. Sprach gleichwohl die Empfehlung aus, schrittweise („Denkzettel“) einzelne Neuerungen umzusetzen und die Reformation als lebendigen Prozess zu gestalten und dazu geeignete, dem Evangelium verpflichtete Prediger zu bestellen. Deshalb übernahm Philipp von Hessen das kursächsische Modell der landesherrlichen „Visitation“. Damit waren die Weichen für die hessische Reformation gestellt. Text: di/www.philipp-von-hessen.de

Foto: Mike Luthardt