Chin Meyer war in der Krone – Wir fragten ihn, ob er reich ist

Finanzkabarettist Chin Meyer spielte vor einem ausverkauften Saal im Gasthaus Krone am Marktplatz im Rahmen des Ahle Wurscht-Theaters. Sein abendfüllendes Thema: Macht! Geld! Sexy? Wir fragten ihn, ob er reich ist?

Sind Sie so gesehen reich?
Chin Meyer: „So gesehen bin ich total reich. Ich habe allerdings auch schon Finanzkrisen hinter mir.”

Welche Finanzkrisen?
Chin Meyer: Ich habe mal Straßentheater gemacht und mir einen riesiges Wohnmobil für diesen Zweck gekauft. Ein alter Laster, der unglaublich laut war und viel Öl verlor. Ich habe dafür einen Kredit aufgenommen
und dachte, ich mache mit Straßentheater so viel Geld, dass das locker hinhaut. Unglücklicherweise hatte ich
mich verspekuliert und wurde oft von der Polizei vertrieben. Das war ein hartes Leben (lacht). Dann brach das Wohnmobil mit einem Kolbenfresser zusammen, weil ich mit dem Öl-Nachfüllen nicht hinterher kam. Damit war meine Arbeitsgrundlage vernichtet und ich hatte Schulden. Bankrott musste ich wieder anfangen, Taxi zu
fahren, um das zurückzahlen zu können.

Ist Ihnen persönlich Geld wichtig?
Chin Meyer: Ja, klar. Schon, weil ich lange keins hatte. Es ist nicht lustig, sich stets zu fragen, ob man sich dies oder das auch leisten kann. Ich finde jedoch auch das Prinzip, das in Finanzmärkten steckt, sehr
spannend. Viele Menschen lehnen Gott als unbeweisbare Hypothese ab, sind aber der festen Überzeugung, dass nicht existierende Schweinebäuche reale Werte darstellen. Gewinnen tun nicht die, die Recht haben, sondern die, die eine Zeitlang mit den Wölfen heulen und dann aussteigen kurz bevor die Blase platzt. Das
ist wie Roulette: Man muss genau wissen, wann man aufhört.

Inwieweit verstehen Sie Spass bei Ihrer persönlichen Finanzanlage?
Chin Meyer: Da ziehe ich es interessanterweise vor, kompetent beraten zu werden und möglichst wenig Galgenhumor zu brauchen. Obwohl ich auch hier schon herbe Rückschläge und hohe Verluste verkraften
musste. Das schönste war der „sichere Tipp“ eines Freundes: „Das lässt du 5 Jahre liegen und wenn du wieder drauf schaust, ist es ein Vielfaches!“ Was er nicht sagte: Es war ein vielfacher Verlust!

Sie waren mal Roulette-Profi…?
Chin Meyer: Aber nur ganz kurz. Irgendjemand hatte mir gesagt: Häufiger als zwölf Mal hintereinander kommt eine Farbe nicht in Folge. Auf diese These hatte ich mich verlassen. War eine Farbe fünf Mal hintereinander gekommen, habe ich auf die andere Farbe gesetzt. Kam sie nicht, hatte ich den Einsatz verdoppelt. Und zwar solange, bis die Farbe kam.

Und das hat funktioniert?
Chin Meyer: Ein paar Monate lang. Ich ging jedes Mal mit 400-500 Mark nach Hause. Für drei Stunden Arbeit war das nicht schlecht. Bis dann eines Abends eine Farbe 15 Mal hintereinander kam. Das Geld war futsch. Und meine These auch.

Haben Sie damit Geld verdient?
Chin Meyer: Es hat funktioniert, weil ich einem Irrtum aufgesessen war. Ich hatte gehört, dass nie öfters als zwölfmal die gleiche Farbe hintereinander kommt und habe ein ganz einfaches System gespielt. Ich nahm soviel Geld mit, dass ich immer verdoppeln konnte. Hatte ich 5 Mark auf Rot gesetzt und Schwarz kam, hab ich die verloren. Dann verdoppelte ich: 10 Mark auf Rot, usw. – bis ich gewann! Ich hab immer gewartet, bis eine Farbe mehrmals kam und dann gesetzt. Ich lebte sehr gut davon – drei Monate lang. Da habe ich am Abend mehrere Hundert Mark gewonnen. Das hab ich zwei- oder dreimal die Woche gemacht. Eines Abends kam dann 14 mal hintereinander Rot. Das existierte in meinem Weltbild nicht. Ich verlor etwa zweitausend
Mark. Dann hab ich damit aufgehört, einen Teil des Gewinns gespendet und den Rest ausgegeben.

Was haben Sie daraus gelernt?
Chin Meyer: Das Leben hängt viel mehr vom Glück ab, als wir denken. Es gibt keine totsicheren Systeme und ein Mangel an Information kann ein Reichmacher sein, muss es nicht.

Werden Sie manchmal ganz ernsthaft nach Steuertipps gefragt?
Chin Meyer: Einmal hat mich eine junge Kamera-Assistentin mit einem Mehrwertsteuer-Problem gefragt – das konnte ich ihr aus eigener Erfahrung schnell beantworten!

Geld allein macht bekanntlich nicht glücklich – wie ist das bei Ihnen?
Chin Meyer: Allein nicht! Die Mischung macht’s! Forschungen belegen, dass selbstbestimmte Tätigkeiten am zufriedensten machen. Und ich reise zum Beispiel gerne mal nach Soest! (di/copyright Chin Meyer)

Bild: 120 Zuschauerinnen und Zuschauer erlebten bei Chin Meyer in der Krone, dass bei Geld der Spaß erst richtig anfängt! Foto: Uwe Dittmer

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