Auswirkungen des Klimawandels auf Vegetation des Burgbergs

Notwendige Sicherheitsmaßnahmen im Burgbergwald und seine künftige Revitalisierung

Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetation am Burgberg

Der Klimawandel hat unbestreitbar Auswirkungen auf die Vegetation und den Wasserhaushalt in unseren nördlichen Breiten. Er macht auch vor der Vegetation des Burgbergs nicht Halt. Nach zu heißen Sommern mit wenig Regen und zu warmen Wintern ohne die schützende Schneedecke kam es in einem schleichenden, mehrjährigen Prozess zu starken Austrocknungen und Erosionen in der Vegetationsschicht des Burgberges.

Der Boden konnte die Feuchtigkeit nicht mehr speichern, die Wurzeln der Bäume erhielten weniger Wasser und gelangen aktuell aufgrund des felsigen Bodens des Basaltkegels immer schlechter an Wasser in den tieferen Schichten.

Die Folge: bis zu 600 Bäume „verdursten“ aktuell auf einer Gesamtwaldfläche von 10,4 Hektar und werden in der Folge von Krankheiten, Pilzen, Parasitenpflanzen (Efeu) und Schädlingen befallen und sterben ab. Äste fallen herab, die Wanderer und Spaziergänger gefährden. Da der Bergwald kein Wirtschaftswald ist, sich jedoch als Landschaftsschutzgebiet in der „Beförsterung“ befindet, bestehen hier Möglichkeiten, auch nachhaltigere Maßnahmen durchzuführen. Ein Maßnahmenkonzept soll mit der Unteren Naturschutzbehörde besprochen und abgestimmt werden.

Waldspaziergänge sicher machen

Der Zustand des Bergwaldes zwingt die Stadt Homberg (Efze) als Waldeigentümerin jetzt zum Handeln. Ist sie doch verkehrssicherungspflichtig, weil sie ihren Bürgern und Gästen ein intensives Nutzungsangebot von Anlagen am Burgberg macht, die zum Verweilen einladen. Aktuell sperrte sie die betroffenen Wege, wie den Rundweg, die Gefährdungspotential aufweisen. Und die Wege werden wohl bis zum nächsten Frühjahr gesperrt bleiben. Derzeit gibt es nur über den Georg-Textor-Weg einen Zugang zum Burgberg-Plateau. Diese Zeit will die Stadt nutzen, um ein Konzept zu erarbeiten, welche Maßnahmen im Bergwald durchgeführt werden sollen.

Zusammen mit HessenForst, einigen Stadtverordneten und dem Baumspezialisten Dipl. Ing. (FH) Sebastian Möller machten sich Bürgermeister Dr. Nico Ritz und Bauhofsleiter Frederick Naumann auf den Weg, um sich am Burgberg ein Bild von dem Umfang der Vegetationsschäden zu machen.

Der zeitliche Ablauf der Maßnahmen

Dabei besprachen sie auch den möglichen zeitlichen Ablauf von Maßnahmen:

Bis Ende der Brut- und Setzzeit soll ein Maßnahmenkonzept für die Entnahme von rund 600 Bäumen und die Revitalisierung des Waldes erstellt werden. „Spannend wird es sein, wie wir mit dem Wald in Zukunft umgehen. Wo wollen wir hin, sollen wir in den Wald eingreifen oder nicht?

Der Bereich der Osterwiese am südlichen Hang, so Bürgermeister Dr. Nico Ritz, müsse dabei gesondert betrachtet werden. „Er hat eine andere Qualität und höhere Besucherfrequenz als Teile des westlichen Berges.“

Die Osterwiese mit dem Häuschen ist eher ein Park als ein Wald. Hier müsse verstärkt und akut Verkehrssicherung betrieben werden, weil hier Einzelbäume stehen und viele Menschen spazieren gehen.

„Außerdem müssen wir die akuten Maßnahmen mit der Neukonzeption „Zukunft Stadtgrün“ in Einklang bringen“, so Bürgermeister Dr. Nico Ritz.

Dabei solle ein Minimaleingriff an der Osterwiese aktuell erfolgen: Totholz von Buchen mit herabhängenden trocknen Ästen sollen entfernt und damit das Areal verkehrssicher gemacht werden. Abgestorbene Kronen von Buchenbäumen sollen entfernt werden. Dabei sollen die Baumstämme nicht gefällt, sondern stehen gelassen werden. Sebastian Möller: „Sie sind ökologisch wertvoll: sie werden beispielsweise von Spechten genutzt, die dort eine Bruthöhle anlegen.“

Ab Oktober 2020 bis ins Frühjahr 2021 sollen weitere dringliche Maßnahmen umgesetzt werden. Die rund 600 toten Bäume an den Wegrändern im vornehmlich oberen südlichen Burgbergbereich sollen abgenommen und sicher im Areal abgelegt werden.

Dabei stellte Sebastian Möller fest: „In den Wegebereichen sehen wir eine verstärkte Totholzbildung, weil auf der Basaltschicht keine Vegetationsschicht mehr vorhanden ist. Je höher wir am Berg kommen, desto fataler sieht die Lage aus. Da müssen wir einen Spagat machen zwischen Verkehrssicherheit und Ökologie.“ Er informierte über die Gesamtsituation der Vegetation am Burgberg und sagte: „Hier am Südhang haben wir bis zu 90 Prozent Totholz, im nordöstlichen und westlichen Bereich haben wir kaum Ausfälle, dort sind die Bäume vitaler.

Im Gespräch erörterten die Fachleute, wie man zukünftig konzeptuell im Bergwald vorgehen könnte. Dabei solle der Bergwald unter drei unterschiedlichen Aspekten und Herangehensweisen betrachtet werden: 1. Bereiche, in denen man die Natur sich selbst überlässt und die man für den Fußgängerverkehr sperrt; 2. Bereiche, die man gänzlich von Totholz befreit,  um einer Verjüngung der Vegetation neuen Raum zu geben und 3. Wegbereiche, die man von Totholz befreit, um sie wieder verkehrssicher und damit begehbar zu machen. Dabei eröffne liegenbleibendes Totholz eine große Chance für die zukünftige Entwicklung des Bergwaldes.

Revitalisierung des Bergwaldes: „Denn wir wollen keine kahle Kuppe“

„Totholz im Wald führt zu Humusbildung und zu einer neuen Vegetationsschicht und Ansiedlung neuer Bäume und Pflanzen“, informiert Forstamtsleiter Florian Koch aus Neukirchen. Dadurch werde der Waldboden gestärkt, so dass auch künftig eine gesunde Mischung von Baumarten, wie Berg-, Spitz- und Feldahorn, Ulmen, Hainbuchen, Buchen und Kirschen dort wachsen könne. „Man müsse jedoch auch Geld in die Hand nehmen“, so Ralf Apel von HessenForst, um Bereiche des Waldes in die Verjüngung zu bringen.“

„Wir wollen bestimmte Bereiche angehen, wie den westlichen Bereich. Dort haben wir gute Chancen, viel vom Baumbestand zu erhalten. Denn wir wollen keine kahle Kuppe“, sagt auch Dr. Nico Ritz.

Um Baumbestand zu erhalten, soll auch die Parasitenpflanze Efeu verstärkt bekämpft werden. Sie steigt am Baum hoch und beschattet die Krone und damit die Blätter und führt zum Tod des Baumes.

Dort, wo durch Baumentnahmen Freiflächen entstehen, hat neuer Wald eine Chance auf Wachstum und Revitalisierung. Sebastian Möller: „Die Natur holt sich die freie Fläche zurück, erobert sie und besetzt sie mit neuen Pflanzen.“

Florian Koch zog ein hoffnungsvolles Resümee: „Den Bergwald wird es daher immer geben.“ Uwe Dittmer

Foto 1: Rolf Walter
Foto 2: Der Zustand vieler Bäume am Südhang ist schlecht.
Foto 3: Baumexperte Sebastian Möller, Forstamtsleiter Florian Koch, Bauhofsleiter Frederick Naumann und Revierförster Norbert Händel auf dem Weg zur Osterwiese. Fotos: Uwe Dittmer 

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